Unternehmensplanspiele
Hintergrund
Erfahrung: An unserer Professur arbeiten und experimentieren wir seit mehr als fünfzehn Jahren mit unterschiedlichen Varianten von Unternehmensplanspielen zur Förderung von Führungs- und Managementkompetenzen. Das erfolgt meistens in interkulturell zusammengesetzten Teams mit Studierenden (im MBA und im Studienschwerpunkt) aus vielen Ländern. Wichtige Erfahrungen konnte ich während meiner Tätigkeit am Lehrstuhl für Hochschuldidaktik der Wirtschaftswissenschaften der Universität Frankfurt (Prof. Dr. Ritter) Ende der 1970er Jahre und später als Leiter der Managemententwicklung eines internationalen Chemie- und Pharmaunternehmens sammeln.
Weiterentwicklung: Vor etwa zehn Jahren haben wir an meiner Professur in einem Forschungsprojekt die fachliche und didaktische Qualität verschiedener Planspiele kritisch verglichen. Ein Ergebnis war, dass haptische Planspiele (Board Game Simulations) zahlreiche Vorteile gegenüber elektronischen Varianten aufweisen. Dazu gehört vor allem die Tatsache, dass die Teilnehmer die Konsequenzen ihrer Entscheidungen besser nachvollziehen und die Funktionsweise des Gesamtsystems schneller und nachhaltiger verstehen. Auch die Lernerfolge – gemessen an den Prüfungsergebnissen – waren bei haptischen Planspielen wesentlich größer. Leider genügten die meisten am Markt vorhandenen haptischen Planspiele nicht den Anforderungen an die General-Management-Qualifizierung, wie sie zum Beispiel in einem MBA oder in der Führungskräfteentwicklung notwendig sind. Deswegen haben wir zwei neue General-Management-Planspiele (ARTARIS und MERCARIS) sowie ein Führungsplanspiel (SOLARIS) entwickelt, das sowohl die „weichen“ als auch die „harten“ Management- und Führungskompetenzen trainiert.
Ursprung: Das erste haptische Planspiel wurde von G. R. Andlinger, einem Mitarbeiter von McKinsey, entwickelt und im Jahr 1958 in der Harvard Business Review veröffentlicht („Buseiness Management Game“). Etwa zur gleichen Zeit hat die American Management Association die „Top Management Decision Simulation“ entworfen. Den Durchbruch brachte das „Beer Game“ des MIT (Massachusetts Institute of Technology) Anfang der 1970er Jahre. Damit wollte die Gruppe um Jay Forrester (Club of Rome) das Verhalten komplexer Systeme (Weltmodelle, die heutigen Klimamodelle) verständlich machen. Das von Ravensburger als Konkurrenzprodukt zu Monopoly gedachte Planspiel „Playboss“ hat sich dagegen weder in der Unterhaltung noch im Managementtraining durchgesetzt. Die von uns entwickelten Planspiele kann man in Kürze wie folgt beschreiben:

Bild 1: Teilnehmer an einem Unternehmensplanspiel
A. Unternehmensplanspiel ARTARIS
(Simulation von Industrieunternehmen)
Konzeption
Die Teilnehmer lernen, wie ein Unternehmen als Ganzes funktioniert und worauf es ankommt, damit es im Wettbewerb erfolgreich bestehen kann. Sie treffen strategische und operative unternehmerische Entscheidungen, analysieren die wirtschaftlichen Konsequenzen ihrer Aktionen und versuchen, die Geschäftsprozesse und ihr Entscheidungsverhalten zu optimieren. In diesem Planspiel können die Teilnehmer das neu erworbene betriebswirtschaftliche Wissen und Managementkompetenzen genauso einüben, wie der Pilot seine Fähigkeiten im Flugsimulator trainiert. Die Aufgabe besteht darin, zwei bis drei Produkte auf drei bis vier Märkten unter Anwendung verschiedener Technologien in einem turbulenten Umfeld erfolgreich zu managen.
Inhalte
- Wie entstehen markt-, kunden- und wettbewerbsorientierte Ziele?
- Was sind grundlegende "Messgrößen" wie Produktivität, Wirtschaftlichkeit, Rentabilität und Liquidität, und welche Bedeutung haben diese Kennzahlen?
- Welche Auswirkungen haben unternehmerische Entscheidungen auf die Bilanz, die Gewinn- und Verlustrechnung und auf die Liquidität?
- Was ist Wertschöpfung, und wie funktioniert das Zusammenspiel wichtiger betrieblicher Prozesse wie zum Beispiel Beschaffung, Produktion, Verkauf und Finanzierung?
- Wie entwickelt, implementiert und lebt man eine Strategie bei sich rasch verändernden wirtschaftlichen und konjunkturellen Rahmenbedingungen?
Ablauf
Bei dem Planspiel übernimmt jeweils ein Team die Verantwortung für den Geschäftserfolg seines Unternehmens. Dieses steht im harten Wettbewerb mit den anderen Teams. Das Besondere an dieser haptischen Simulation besteht darin, dass die Geschäftsprozesse auf einem „Spielbrett“ nachgebildet sind und dadurch im wörtlichen Sinne besser begriffen werden können. Das führt zur starken Aktivierung mit einem raschen und nachhaltigen Verstehen (Erleben) von Geschäftsprozessen und unternehmerischen Entscheidungen. Durch diese Visualisierung, den hohen Leistungsdruck im Wettbewerb und die Notwendigkeit zur effizienten Teamarbeit kommt es in der Regel zu einem starken Engagement der Teams. Somit können die Teilnehmer die Grundbegriffe der Betriebswirtschaft und den Gesamtzusammenhang besser nachvollziehen sowie intensiver verstehen und erleben. Fazit: Diese Simulation ist äußerst effizient und anderen Lernmethoden im Hinblick auf den Lernerfolg deutlich überlegen.

Bild 2: Spielbrett Unternehmensplanspiel ARTARIS
B. Unternehmensplanspiel MERCARIS
(Simulation von Handelsunternehmen)
Konzeption
Dieses Unternehmensplanspiel trainiert betriebswirtschaftliches und unternehmerisches Denken und Handeln in einer simulierten Realität. Die Teilnehmer können das erworbene Wissen direkt am Beispiel einüben – so wie ein Pilot seine Fähigkeiten im Flugsimulator trainiert. Jedes Team übernimmt die Leitung eines Unternehmens und ist gefordert,
· unternehmerische Entscheidungen zu treffen,
· die wirtschaftlichen Konsequenzen seiner Aktionen zu analysieren sowie
· die Geschäftsprozesse und das Entscheidungsverhalten zu optimieren.
Die Teilnehmer sind im Seminar einem hohen Leistungsdruck ausgesetzt und werden zu Teamarbeit und innovativem Verhalten angeregt. Diese Art der Wissensvermittlung steigert den Praxisbezug und den Lernerfolg und macht nicht zuletzt auch Spaß!
Inhalte (je nach Vorkenntnissen)
- Was ist Wertschöpfung, und wie funktioniert das Zusammenspiel wichtiger betrieblicher Prozesse wie zum Beispiel Beschaffung, Logistik, Verkauf und Finanzierung?
- Wie entwickelt, implementiert und lebt man eine Strategie bei sich rasch verändernden wirtschaftlichen und konjunkturellen Rahmenbedingungen?
- Wie entstehen markt-, kunden- und wettbewerbsorientierte Ziele?
- Was kann man von den am besten geführten Unternehmen lernen?
- Was sind grundlegende „Messgrößen“ wie Produktivität, Wirtschaftlichkeit, Rentabilität und Liquidität, und welche Bedeutung haben diese Kennzahlen?
- Welche Auswirkungen haben unternehmerische Entscheidungen auf die Bilanz, die Gewinn- und Verlustrechnung und auf die Liquidität?
Aufgabe/Ablauf
Die Kunden kaufen eine bestimmte Menge an Waren (vier Warengruppen) zu bestimmten Preisen, die allerdings in gewissen Grenzen schwanken. Diese Veränderungen sind durch saisonale Einflüsse, Aktionen des Wettbewerbs, Modetrends etc. bedingt. Die Geschäftsführung muss dafür sorgen, dass durch eine optimale Kombination von Prozessen und die Investition in verschiedene Logistikzentren der Warenfluss sichergestellt ist. Hinzu kommt der Einkauf. Hier kommt es darauf an, die „richtigen“ Produktgruppen auf den „richtigen“ Märkten zum „richtigen“ Zeitpunkt zu den günstigsten Konditionen einzukaufen. Welche Beschaffungsmärkte und Produktgruppen am attraktivsten sind, hängt auch vom Verhalten der Konkurrenz ab. Mit anderen Worten: Entscheidend ist das Erkennen und Nutzen von Chancen – also unternehmerisches Verhalten. Sind die Waren einmal bestellt, kommt es darauf an, die „richtige“ Logistikkapazität zum „richtigen“ Zeitpunkt zu vertretbaren Kosten vorzuhalten. Ferner ist darauf zu achten, dass die Waren in den Regalen nicht verderben und dass die Regalkapazität ausgelastet ist. Parallel dazu ist der Geldkreislauf zu planen und zu steuern. Liquiditätsengpässe und –überschüsse haben ähnlich negative Folgen wie beim Warenkreislauf. Wie die Planung und Steuerung dieser Kreisläufe gelingt, stellt jedes Team spätestens am Ende des Jahres fest, wenn die Bilanz und die Gewinn- und Verlustrechnung erstellt und die daraus resultierenden Erfolgskennzahlen ermittelt werden.
A. Führungsplanspiel SOLARIS
(Simulation des Führungsverhaltens zur Entwicklung von Führungskompetenzen)

Nähere Informationen und Beschreibung siehe: http://www.führungsplanspiel.de/
Prof. Dr. Waldemar Pelz, Internationales Management und Marketing, FH Gießen-Friedberg
Angewandte Forschung und Entwicklung sowie Technologietransfer am Institut für Management-Innovation (Steinbeis-Transferzentrum)
Kontakt: w.pelz(at)w.fh-giessen.de